Papier – ein Luxusgut?

Wie der Krieg in der Ukraine die Lage am Papiermarkt weiter verschärft

Inapa – Deutschland | Hamburg, März 2022

Erst vor wenigen Wochen haben wir über die Hintergründe zur aktuellen Liefer- und Preissituation für Papier berichtet. Viele der beschriebenen Aspekte sind immer noch aktuell, jedoch haben die letzten Tage zu einer weiteren Verschärfung der Situation geführt:

Streik in Finnland

Der Streik bei einem Papier- und Zellstoffhersteller in Finnland hält weiter an und wird nach aktueller Einschätzung noch bis mindestens Ende März dauern. Der Produktionsausfall beim Zellstoff bringt auch für andere Papierhersteller in der Folge Herausforderungen in der Rohstoffbeschaffung mit sich.

Krieg in der Ukraine

Der seit Ende Februar andauernde Krieg in der Ukraine, den auch wir mit großer Sorge und tiefem Mitgefühl für das Leid der Bevölkerung beobachten, wirkt sich auch auf die Papierversorgung aus: Sowohl Russland als auch die Ukraine haben als Rohstofflieferanten (Stärke, Holz, Zellstoff) und Produktionsstätten eine große Bedeutung. Die Einschränkungen in der Produktion bzw. Stilllegung von Werken werden die ohnehin angespannte Versorgungslage also weiter verschärfen – auch für westeuropäische Papierfabriken, die ihre Rohstoffe aus Russland beziehen.

Hinzu kommt, dass erste namhafte internationale Papierhersteller angekündigt haben, ihre Zellstoff- und Papierproduktion in Russland und der Ukraine zu stoppen. Der Wegfall dieser Mengen kann durch andere Hersteller nicht aufgefangen werden, was die Versorgungslage weiter verschärft.

Energiepreise

Die aus den Nachrichten bekannten kriegsbedingten Effekte auf die Energiepreise haben drastische Auswirkungen auf den Papiermarkt. Quasi über Nacht sehen sich die Papierhersteller weiteren massiven Energiepreiserhöhungen gegenüber. Zum großen Teil können sie die Preise nur wochenweise vereinbaren, was bereits zu sehr kurzfristigen Energiekostenzuschlägen, die nicht selten rund 30 Prozent des ursprünglichen Preises ausmachen, geführt hat. Diese Zuschläge gelten dann auch für unmittelbar zur Lieferung anstehende Aufträge. Die Alternative für viele Papierhersteller wäre die Einstellung der Produktion, die ansonsten nicht mehr wirtschaftlich dargestellt werden kann. Leider sind vereinzelte Papierfabriken diesen Weg schon gegangen.

Transportkapazitäten

Ebenfalls eine Folge des Ukraine-Krieges ist die weitere Verknappung von Transportkapazitäten. Ukrainische und auch russische Lkw-Fahrer waren häufig als Subunternehmer auf Europas Straßen unterwegs. Es liegt auf der Hand, dass deren Ausfall angesichts der ohnehin schon knappen Kapazitäten zu weiteren Herausforderungen führt.

Die allermeisten Transporte von Zellstoff und Papier finden in der gesamten Lieferkette per Lkw statt. Die enorme Preisentwicklung beim Diesel wird zu einem weiteren Kostendruck führen.  

Vor dem Hintergrund dieser Aspekte ist eine Entspannung der Versorgungslage in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Papier wird sehr kurzfristig weitere Preissteigerungen erfahren, die vermutlich noch deutlicher ausfallen als bisher. Die Möglichkeiten einer Kompensation der Preisentwicklung sind in allen Stufen der Lieferkette mittlerweile ausgeschöpft. 

Wir hoffen, dass sich einige Themen, allen voran der Krieg gegen die Ukraine, bald lösen werden. Rohstoffknappheit und Kostensteigerungen werden uns alle aber weiter beschäftigen. 

Wir sind mit allen unseren Papierlieferanten in intensivem Kontakt, um auf neue Entwicklungen rasch reagieren zu können und die Versorgung unserer Kunden mit Papier bestmöglich zu gestalten. Wir informieren Sie über die weitere Entwicklung, und selbstverständlich stehen Ihnen unsere Verkaufsberaterinnen und -berater für Fragen jederzeit zur Verfügung.